ROLEX FASTNET RACE - PREMIERERFOLG FÜR STANJEK'S GOC-CREW

Die Swan 60 "SGM" mit Skipper Robert Stanjek und einem deutschen Nachwuchsteam inklusive Profiverstärkung zählt zu den Fastnet-Siegern 2013.

Das junge German Offshore Challenger (GOC) Team schlägt beim Rolex Fastnet Race im direkten Vergleich die beiden weiteren russischen Swan 60s.

Skipper und Steuermann Robert Stanjek berichtet über das Abenteuer:

Unsere Vorbereitung auf das Fastnet Race war verhältnismäßig schmal. Seit Mitte Mai haben wir 22 Tage auf dem Wasser verbracht. Die 16 bis 20 Mann starke Crew bewies sich bei der Delta Lloyd North Sea Regatta in Holland, der Gazprom Swan 60 World Championship in Cowes und der Cowes Week selber. Wir haben die Zeit gut genutzt und unsere Trainingsinhalte oft auf die bevorstehenden Long distance offshore Rennen ausgelegt.

Ich habe versucht, das Team wirklich zu verkleben und es auf kraftraubende Prüfungen vorzubereiten. Oft sind dabei lange Tage entstanden mit Sport am Morgen, etlichen Stunden auf dem Wasser, viel Arbeit am Schiff und langen Analysen am Abend.

Kathrin Kadelbach, unsere Taktikerin bei den Inshore Rennen, hatte schon offiziell zu Protokoll gegeben: „The German Offshore Challenger team has achieved one important goal: young and versatile sailors have grown together as a highly motivated unit!“ Und das stimmt auch so!

In den letzten Tagen vor dem Fastnet Race haben wir uns sehr genau mit den Themen Schwerwetter, Seemannschaft, Nachtsegeln, Sicherheitstraining und Notfallrollen beschäftigt. Wenn man das so intensiv bespricht, wächst ein ungeheurer Respekt vor diesem Langstreckenrennen, um das ohnehin schon so viele Mythen kursieren. Für mich als Skipper war die größte Sorge, bei schwerem Wetter, alle 16 Mann mit ihren 10 Fingern wieder heil heim zu bringen.

In der finalen Vorbereitung zum Start, bin ich mit dem Navigator Juan Luiz Paez, Diego Negri (Taktik und 2. Driver), Ryan Breymeier (einer der watch captains) die Rennstrecke auf Grundlage der aktuellen Wind- und Stromdaten sehr akribisch durchgegangen. 608 Meilen, mehrere Tage erst an der englischen Küste entlang nach Westen, dann in nordwestlicher Richtung über die Gewässer vom Ärmelkanal und in die Irische See hinein, bis an die Südspitze Irland.

Es ist eine geniale Rennstrecke. Üblicherweise herrschen westliche Winde vor, die eine Kreuz entlang der schwierigen Küstenlinie mit all ihren Kaps bedeuten. Die unglaublichen Wasserströmgen bieten gute Chancen durch schlaues Positionieren, viele Meter zu machen. Danach erfordert die offene Irische See mit Wind und Welle eine absolut gute Seemannschaft und guten Bootsspeed. Wenn das Rennen dann 2-3 Tage alt ist, kommst du wieder zurück unter die Küste und das gleiche interessante Spiel mit verschiedenen Winden und Wasserströmungen beginnt erneut, bis zur Ziellinie.

Sonntag ging es nun los. Wir sind einen guten Start gefahren und Diego hat mich absolut sauber aus dem Solent taktiert. Die vielen Wenden, das Passieren von hunderten Schiffen war aufregend. Aber die Mannschaft war sehr konzentriert und ich wusste, dass es ein gutes Rennen werden kann.

Wir sind bis in die erste Nacht sehr nahe am russischen Weltmeister “Bronenosec” dran geblieben. Sie waren die klaren Favoriten und wir wollten sie unter Druck setzen. Das war das Ziel.

7 italienische America’s Cup Segler sowie 9 russische Profis tun auf ihrem Schiff Dienst unter der Leitung des ehemaligen Shosholosa Taktikers Tomasso Chieffi. Die Jungs sind echt eine Hausnummer. Das haben sie in den bisherigen Rennen mit glatter Siegesserie in Stein gemeißelt. Sie genießen einen kleinen Geschwindigkeitsvorteil, der durch etwas besseres Material und aus seglerischer Erfahrung mit diesen Booten resultiert.

Während der ersten Nacht haben wir uns entschieden den Hebel zu den Russen ein bisschen zu öffnen, uns etwas mehr Richtung offene See zu positionieren und konnten sie so mit besserem Wind das erste mal überholen. Dann hatten wir etwas Pech, als wir an einer Reuse oder Fischnetz hängen blieben. 20 Minuten lang standen wir auf der Stelle bis wir das Schiff in der pechschwarzen Nacht wieder befreien konnten. Das hat viele Meter gekostet.

Wir verloren dennoch nicht den Sichtkontakt zu den Russen und als wir am dritten Tag den Fastnet Rock erreichten, parkten sie brutal in einem Flautenloch ein. Wir mussten auch da durch, konnten aber aufschließen und sogar ganz knapp vorbei ziehen, bis der Wind wieder am Leuchtturm einsetzte.

Die zweite russische Swan 60 “Petite Flamme” war eigentlich schon acht Meilen zurückgefallen, hatte dann aber bei der Anfahrt zum Fastnet Rock über die andere Seite eines Sperrgebiets den Rückstand plötzlich wieder aufgeholt. So gingen wir alle drei ganz dicht zusammen um den Felsen.

In der ersten Nacht auf der Rückfahrt Richtung englisches Festland überholten wir “Petite Flamme” im strömenden Regen und konnten “Broneosec” verteidigen. Eine kraftraubende spitze Raumschot bei 20 Knoten Wind. Hier haben viele Jungs in der Kälte und Nässe ihre letzte Kraft gegeben.

Wir hielten alle auf den letzten Wegpunkt Bishop Rock zu, dessen Anfahrt zum Schluss ebenfalls um ein Seesperrgebiet mit zwei möglichen Routen führte. “Bronenosec” entschied sich hinter uns liegend für die östliche, wir waren mit “Petit Flamme” auf der westlichen Route unterwegs und hatten keinen Sichtkontakt mehr zu den Russen.

In den ersten Morgenstunden segelten wir unter Spi auf den Wegepunkt zu, als ich dann “Broneosec” raumschots in Lee voraus mit gutem Vorsprung vor uns einreihte. Das war ein harter Schlag nach dieser kraftraubenden Nacht.

Wir lagen hinter ihnen, hatten aber für die nächsten elf Stunden vor dem Wind zum Ziel die bevorteilte Seite. Als die Russen ihren Vorwindgang ebenfalls Richtung offshore anspitzten, habe ich unser Schiff langsam über mehrere Meilen in die Tiefe gedrückt bis wir irgendwann bei 300 Metern Rückstand unseren Kurs zu ihnen parallelisierten.

Wir bestimmten jetzt mit unserem Windschatten ihren Speed, denn sie hingen zwar voraus in Lee, aber dennoch im Kegel unseres Windschatten fest. Dann begann ein sechsstündiges Spiel, in dem wir versuchten unser Boot mit weniger Geschwindigkeit in die Tiefe zu drücken und die Russen dabei nicht aus der Abdeckung zu lassen.

Manchmal waren sie gefährlich weit nach vorne gekommen und wir mussten die schwer erkämpfte Tiefe wieder in Höhe und Speed weggeben, um unseren Windschatten wieder deutlich vor sie zu bekommen.

Jeder war müde, der Wettkampf war schon 66 Stunden alt, aber wir haben unsere Chance hier begriffen. Ich habe das Steuer dann an Diego gegeben, mich selber auf unsere genaue Positionierung konzentriert und Frithjof und Viktor haben ab diesem Zeitpunkt für zehn Stunden das Großsegel und den Spi nicht mehr aus der Hand gegeben.

Fridel nahm die entscheidene Rolle an, ständig das müde Team wieder und wieder zu motivieren. Er führte es an die mentale Grenze. Das war rennentscheidend! Das sind genau seine Qualitäten, die in unserer Olympiazeit viele Erfolge ausgemacht haben. Für Fridel gibt es da kein inneres Ranking im Kopf. Jeder ist schlagbar! Und so haben wir die letzten 10 Stunden vor dem ziel das russische Schiff permanent unter Druck gesetzt.

Wir haben unser Team zusammen bekommen und jeden Baustein umgedreht, unser Schiff so schnell zu fahren wie irgend möglich.

Diego steuerte in dieser Phase sehr stark. Irgendwann haben wir sie ausgenockt. “Bronenosec” hatte nur noch die Wahl, eine Halse Richtung Küste zur benachteiligten Seite zu fahren. Ihr Notschlag brachte uns eine Führung, die wir dann mit etlichen Halsen bis auf die letzte Layline zum Ziel erfolgreich verteidigten.

Es war eine wirklich schöne Art und Weise, dieses Rennen zu gewinnen. Wir haben über die drei Tage nie den Kontakt zum Gegner aufgegeben und sind am Schluss sehr schnell und schlau gesegelt. Meine Mannschaft hat gerade am Ende noch einmal unglaublich viel Kraft mobilisiert. Und so segelten wir 3.33 min vor dem hoch favoritisierten Weltmeister ins Ziel.

Crew: Mir standen neben dem deutschen Offshore-Nachwuchs (Robert Nest, Peter Knauft, Moritz Bohnenberger, Lena Beuke, Benjamin Meyer, Sven Wegner, Martin Staats, Jörg Reißland, Marco Schönwitz), Olympiavorschoter Frithjof Kleen, Starboot Trainingspartner Diego Negri, Ryan Breymeier (Boris Herrmanns Barcelona-World-Race-Co-Skipper), Boat Captain Tom Swift, der spanische Navigator Juan Luiz Paez und Trimmer Viktor Marino vom spanischen America’s-Cup-Team Desafío Español zur Seite.

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